Jan Garstka – Gewinner des zweiten Preises beim 7R-Wettbewerb „Warehouse of art: Young art for the planet“ in der Kategorie „Öko-Gadget“ – berichtet uns über das Engagement von Künstlern bei der Verbesserung der uns umgebenden Realität. Er ist zudem davon überzeugt, dass viele interessante sowie sozial und ökologisch verantwortungsvolle Projekte von Unternehmen umgesetzt werden können, ohne dass dies zu Lasten ihrer Rentabilität geht.
Was war die Inspiration für das Projekt „Pixel Natury“, also einen Behälter, der gleichzeitig ein großer Pflanzkübel, ein Lebensraum und ein Mikro-Durchgang für Tiere ist, sich einfach und kostengünstig herstellen lässt und zudem bequem zu transportieren ist?
Jan Garstka: Bevor ich mein Studium an der Kunstakademie begann, habe ich Biotechnologie studiert. Daher liegt mir der Aspekt des Engagements für die Natur sehr am Herzen. Dort beschäftigte ich mich unter anderem mit Umweltbiologie und nahm an Forschungen zu verschiedenen Tierarten teil. Dadurch konnte ich mir umfangreiches Wissen über die Präsenz von Tieren in vom Menschen geschaffenen Räumen aneignen. Eine direkte Inspiration für mein Projekt war eine Studie, die von Wissenschaftlern aus Warschau im Skaryszewski-Park durchgeführt wurde. Dieser sollte umgestaltet werden. Untersuchungen einer Gruppe von Biologen zeigten jedoch, dass der Umbau der Verkehrsinfrastruktur – u. a. von Alleen, Wegen usw. – zu einer Verringerung der biologischen Vielfalt des Parks führen würde. Dies hätte katastrophale Auswirkungen auf die Umgebung, z. B. durch einen Rückgang der Zahl der nistenden Vögel und damit einhergehend einen Anstieg der Insektenpopulation; auch die Zahl kleiner Nagetiere, wie Eichhörnchen oder Feldmäuse, würde abnehmen.
In der Folge begann ich mich mit Lebensräumen und Wildtierpassagen zu beschäftigen. Im großen und mittleren Maßstab gibt es bereits Wildtierpassagen zwischen Lebensräumen, die sich hervorragend bewähren. Dabei handelt es sich um Überführungen über Autobahnen oder kleine Passagen für Amphibien und andere kleinere Tiere. Im kleinen Maßstab fehlen solche Einrichtungen jedoch. Mein Ziel war es, Elemente zu schaffen, die sich in den städtischen Raum einfügen, transportiert werden können, einen Rückzugsort für die Flora bilden und der Fauna Schutz bieten. So entstand „Pixel Natury“. Es ist vorgesehen, dass Städte, Unternehmen sowie Privatpersonen davon Gebrauch machen können.
Es scheint, als nehme die Natur in Ihrem Schaffen einen besonderen Platz ein…
Das ist etwas, worüber ich nachdenke. Im Gegensatz zur theoretischen Physik erleben wir alle die Natur, und wir alle beeinflussen sie in gewissem Maße, während sie wiederum auf uns einwirkt. Sie ist eine dankbare Quelle der Inspiration, die man nutzen kann, um die Funktionsweise der uns umgebenden Welt zu verbessern.
Die Umwelt beeinflusst uns, und wir beeinflussen die Umwelt. Wie können Künstler das Bewusstsein der Menschen im Hinblick auf den Naturschutz beeinflussen?
Ich hoffe, dass solche Projekte dazu beitragen. Der Künstler bietet die Möglichkeit dazu – oder zwingt uns gewissermaßen dazu, denn in unserer Arbeit geht es ja auch ein wenig darum, etwas zu erzwingen. Ich bin Designer für Produkt- und visuelle Kommunikation und konzentriere mich darauf, Objekte zu entwerfen, die industriell hergestellt werden können und die Menschen im Einklang mit dem aktuellen Entwicklungskonzept ansprechen. Als Designer versuchen wir, Unternehmen zu einer umweltfreundlicheren Produktion zu bewegen, nicht nur aus innerer Überzeugung – die natürlich vorhanden ist –, sondern auch aus kommerziellen und rechtlichen Gründen. In unserer Arbeit sollten wir diese antizipieren.
Als Künstler bin ich der Meinung, dass wir die Menschen konfrontieren und sie in eine unangenehme Situation bringen müssen, die zwar eine gewisse Verlegenheit hervorruft, aber dazu anregt, über verschiedene Dinge nachzudenken. Künstler werden dazu ausgebildet, die Realität voranzubringen. Bequeme Kunst spricht mich nicht an.
Können Sie uns verraten, an welchen Projekten Sie derzeit arbeiten?
Im Rahmen der Designergenossenschaft TAKŁADNIE (www.takladnie.com) arbeiten wir an Industrieprojekten für Kunden, die sich unter anderem mit biologischer Bildung befassen. Ich kann jedoch keine Einzelheiten preisgeben. Im Rahmen der Genossenschaft bemühen wir uns stets, der uns umgebenden Welt etwas Konstruktives zurückzugeben. Wir haben uns entschieden, als Designer in Polen und in Warschau zu bleiben, um als verantwortungsbewusste Gestalter die nationale Realität mitzugestalten.
Regierungen, Städte, Unternehmen und Konzerne können sich für die Umwelt einsetzen, aber vieles hängt auch von den ganz normalen Bürgern ab. Wie sieht es damit in Ihrem Alltag aus?
Ich versuche, alle in meinem Umfeld davon zu überzeugen, ihren Müll sorgfältig zu trennen. Ich selbst bemühe mich darum und ermuntere andere, aktiv über unseren Einfluss auf die Umwelt nachzudenken, z. B. indem sie geeignete Reinigungs- und Transportmittel verwenden, ihre Wohnungen angemessen heizen oder verantwortungsbewusste Kaufentscheidungen treffen.
Was halten Sie vom 7R-Wettbewerb „Warehouse of Art: Young Art for the Planet“?
Solche Vorhaben verschaffen jungen Künstlern Bekanntheit und bieten ihnen die Möglichkeit, ihre Konzepte umzusetzen. Dies könnte Unternehmen dazu bewegen, in verantwortungsbewusste Projekte zu investieren, die gleichzeitig durch und durch kommerziell genutzt werden können. Wenn wir etwas entwerfen, überlegen wir, ob eine bestimmte Lösung tatsächlich realisiert werden kann. Es gibt viele Faktoren, die die Umsetzung einzelner Projekte beeinflussen, aber solche Umsetzungen sind durchaus möglich. Es entstehen viele Ideen, die wirtschaftlich sinnvoll sind – und warum sollte man sie nicht umsetzen, wenn sie die Welt schon ein wenig verbessern können?
Über den Wettbewerb „Warehouse of Art“
Der 7R-Wettbewerb „Warehouse of art: Young art for the planet“ richtete sich an Studierende und Absolventen der Akademie der Bildenden Künste in Warschau. Das Leitmotiv lautete „Technologie. Ökologie. Mensch. Koexistenz“. Die Wettbewerbsaufgabe bestand darin, ein Designobjekt mit ökologischem Bezug in einer der drei Kategorien zu entwerfen: ergonomischer Sitz, Wandbild für einen Löschwasserbehälter und ökologisches 7R-Gadget. Insgesamt gingen 26 Arbeiten ein. Die Arbeiten der Preisträger sind auf der Website7rwarehouseofart.pl zu sehen.